Folgen der Kurzarbeit - Staat hilft immer mehr Hausbesitzern bei Krediten
11.03.2010
Die Wirtschaftskrise bringt immer mehr Grundeigentümer in finanzielle Schwierigkeiten. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit zwangen im vergangenen Jahr deutlich mehr im Eigentum lebende Familien, einen so genannten Lastenzuschuss zur Bewältigung ihrer Hypothekenkredite in Anspruch zu nehmen. Das zeigt eine Umfrage von WELT ONLINE bei den Statistischen Landesämtern.
Hintergrund
Wohngeldstellen helfen
Anträge auf Lastenzuschüsse müssen Grundeigentümer bei der Wohngeldstelle ihrer Kommune stellen. Ein Anspruch besteht nicht nur, wenn das monatliche Einkommen nicht mehr reicht, um den Hypothekenkredit zum Kauf der Immobilie zu tragen. Auch bei Engpässen durch später aufgenommene Modernisierungsdarlehen wird die Hilfe gewährt.
Experten raten Immobilienbesitzern bei finanziellen Problemen, frühzeitig dieses Wohngeld für Eigentümer zu beantragen. „Auf diese Weise können Familien Zwangsversteigerungen vermeiden“, sagt Torsten Weidemann, Referent für Wohnungswesen beim Eigentümerverband Haus & Grund.
In Baden-Württemberg schnellte die Zahl der Lastenzuschussempfänger nach Angaben des Statistischen Landesamtes 2009 um 61,6 Prozent auf 5.414 Haushalte in die Höhe. In Bayern stieg die Zahl der Empfänger um 37,3 Prozent von 3.958 auf 5.436 Haushalte. Im Saarland erhielten Ende Dezember 2009 insgesamt 1.370 im Eigentum wohnende Familien Lastenzuschusszahlungen – 48,9 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor.
Die tatsächlichen Zahlen werden noch höher ausfallen, da in den Statistiken noch nicht jene Anträge erfasst sind, die im Dezember 2009 gestellt, aber bis Jahresende nicht beschieden wurden. In anderen Bundesländern sind die Statistikbehörden noch dabei, die Zahlen detailliert zusammenzutragen.
Experten sind nicht überrascht, dass 2009 deutlich mehr im Eigentum lebende Haushalte finanzielle Hilfen vom Staat erhielten als im Vorjahr. Zwar ist die Zahl der Erwerbslosen in den vergangenen zwölf Monaten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit nur um 91.000 auf 3,643 Millionen Menschen gestiegen.
„Der starke Anstieg der Kurzarbeit hat jedoch etliche Besitzer von Eigenheimen und Eigentumswohnungen bei der Bewältigung ihrer Immobiliendarlehen in Schwierigkeiten gebracht“, sagt Tobias Just, Immobilienanalyst bei Deutsche Bank Research. Ende 2009 bezogen 890.000 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld in Höhe von maximal 67 Prozent des Nettolohns. Das waren 620.000 Beschäftigte mehr als zwölf Monate zuvor.
„Lastenzuschüsse gewährt der Staat als vorübergehende Hilfe an Grundeigentümer, wenn diese wegen Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit die Aufwendungen für Zins und Tilgung ihrer Darlehen nicht mehr tragen können“, erläutert Haus-&-Grund-Referent Weidemann. Die Hilfe wird ausschließlich Haushalten gewährt, die im selbst genutzten Wohneigentum leben. Die Förderung ist auf zwölf Monate begrenzt.
Nach Ablauf dieser Frist kann eine Verlängerung um jeweils ein weiteres Jahr beantragt werden. Da über den Lastenzuschuss die zur Bedienung der Darlehen nötige Hilfe gewährt wird, fallen die Zahlungen höher aus als bei Mietern, die Wohngeld erhalten. 2008 betrug der durchschnittliche Lastenzuschuss pro Haushalt nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 113 Euro gegenüber 88 Euro bei Wohngeldempfängern.







