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Die Steuerfahnder warten noch auf ihren Einsatz

01.03.2010

Mal ist es die Freundin, die den Laufpass bekommen hat, mal der Buchhalter, der von seinem Chef wegen eines Griffs in die Kasse vor die Tür gesetzt wurde, mal sind es die zerstrittenen Geschwister. Sie alle haben ihre ganz speziellen Gründe für einen kleinen Rachefeldzug gegen den reichen Exgeliebten oder den verhassten Verwandten. "Und Sie glauben gar nicht, was Nachbarn alles übereinander wissen", sagt Hans-Michael Stegmann.

Seine Behörde profitiert von den kleinen Indiskretionen, mit denen sie Steuersündern auf die Schliche kommt. Doch jetzt hat der Chef des Finanzamts Wiesbaden I noch etwas Besseres in Aussicht: Die 2,5-Millionen-Euro-CD mit Daten von schätzungsweise 1400 Anlegern. Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Scheibe jetzt gekauft und macht sich an die Auswertung.

bekannt, welche Namen sich auf dem Datenträger befinden. "Auch ich habe keine Ahnung", sagt der 60-Jährige. Doch lange wird das nicht mehr so bleiben. "Dann wollen wir natürlich die Fälle haben, die unsere Steuerpflichtigen betreffen." Mit "wir" meint Stegmann seine 36 Köpfe zählende Steuerfahndertruppe - 27 Männer, 9 Frauen, Durchschnittsalter 45 Jahre.

Das Finanzamt Wiesbaden mag aussehen wie Hunderte Finanzämter im Land: großer Briefkasten für dicke Umschläge mit Steuererklärungen vor der Tür, grauer Kunststoffboden auf den Gängen, klappriger Aufzug, schwarze Bretter mit teils vergilbten Aushängen, auch Fotos der hauseigenen Fußballmannschaft gibt es. Das Besondere ist die Lage: Von seinem Büro im achten Stock schaut Stegmann auf einen Landstrich, dem immer wieder die größte Millionärsdichte in Deutschland nachgesagt wird: den Vordertaunus.

Eingebettet am Fuß des Mittelgebirges zwischen der Kurstadt Wiesbaden und der Bankenmetropole Frankfurt liegen Bad Homburg, Kronberg, Königstein mit ihren Villenvierteln. Dort gibt es zwar auch ein Finanzamt, doch die Strafsachenstelle und die Fahndung sind zentral in Wiesbaden angesiedelt, für insgesamt fünf Ämter im Rhein-Main-Gebiet.

"Wir haben bei unserer Arbeit keinen Schaum vorm Mund", sagt Stegmann. Er ist seit achteinhalb Jahren Vorsteher der Behörde mit ihren 350 Mitarbeitern. Ein selbstbewusster Mann, groß, redegewandt. "Wir glauben dem Bürger grundsätzlich, wenn er seine Steuererklärung abgibt." Aber wenn Leute versuchten, in erheblichem Umfang zu tricksen, werde es unangenehm. "Fünf, sechs Mann morgens vor der Haustür mit einem Durchsuchungsbeschluss, die die Wohnung auf den Kopf stellen, das sollte sich niemand wünschen."

Wie viele der Fahnder bei den Schweizer Steuerflüchtlingen vorfahren werden? Die Frage bleibt genauso unbeantwortet wie die nach genauer Uhrzeit und dem Wagentyp. "Wir klingeln, stellen uns höflich vor und machen unsere Arbeit", sagt der Leiter der Fahndungsabteilung. Und man glaubt es dem ruhig wirkenden 38 Jährigen - kein Rambo, kein Draufgänger. Seinen richtigen Name möchte er aber nicht nennen, zu heikel. In der Regel reagierten die Heimgesuchten gelassen. Panikattacken gebe es selten. "Einige rufen ihren Anwalt an", so der Fahndungsleiter lapidar. Wird den Beamten etwas zu trinken und zu essen angeboten? "Das kommt vor. Nehmen wir aber nicht an." Kein Wasser, keinen Kaffee? "Bringen wir selbst mit."

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